Titelbild 24022004

Lago Maggiore bei Frankfurt

In diesem ersten Portrait stelle ich den Garten eines Pflanzenfreundes vor,  der durch seine Anlehnung an Vorbilder aus Cornwall und den Oberitalienischen Seen beeindruckt und durch die Vielfalt der Möglichkeiten in unserem Klima ĂŒberrascht.

 

Faszination von Licht und Schatten

Das ĂŒber 1000 qm große GrundstĂŒck dieses wunderschönen Gartens liegt im Raum Frankfurt, doch ist die lĂ€ndlich geprĂ€gte Struktur des Anwesens unĂŒbersehbar: das fein restaurierte Klinkerhaus, seit 1867 im Familienbesitz, die zur Werkstatt umgebauten Stallungen und die charakteristische Klinkermauer zur Straßenfront verraten den Charme der GrĂŒnderzeit. Man grĂ¶ĂŸeres Bildbetritt das GrundstĂŒck von Osten her durch ein schönes Eingangstor in der Mauer - und steht unvermittelt in einem EntrĂ©e von italienischem Ambiente. Geschickt haben die Hausherren dabei strenge und auflockernde Gestaltungsmomente dieses Gartenstils in die Anlage ihres Vorgartens eingeplant. WĂ€hrend der wunderschön mit Basasltsteinen gepflasterte Weg gerade auf den Hauseingang zulĂ€uft, weitet er sich in der Mitte zu einem kleinen Platz mit Brunnen, an dessen nördlicher Seite eine Bank im „WĂ€ldchen“ mehr als 20 Jahre alter Kamelien zum Verweilen einlĂ€dt. Von hier aus schweift der Blick ĂŒber eine ausgewĂ€hlt sĂŒdliche Vegetation, die dem vorherrschenden Stil des Vorgartens entspricht: 2 große Zypressen sempervirens, eine 15 Jahre alte Magnolia grandiflora, die Albizia „Julibrissin“, dazu große Hortensien, die FrĂŒchte tragende Trachycarpus fortunei und nicht zuletzt der ĂŒber 100 Jahre alte Weinstock „Isabelle, mon amour“ mit den großen, blauen Trauben am Haus und die ebenso alte Glyzinie lassen die Begeisterung der Hausbesitzer fĂŒr ihre „Wahlheimat“ an den Oberitalienischen Seen erahnen.

 

Schöne Pflanzen – seltene Tiere

Vom Brunnenplatz fĂŒhrt ein kleiner Weg in sĂŒdliche Richtung und ums Haus herum in den Hauptgarten im Westen des GrundstĂŒckes. Passiert man den mit der SortegrĂ¶ĂŸeres Bild „New Down“ berankten Rosenbogen, so stĂ¶ĂŸt man auf einen kleinen Innenhof mit den 3 LieblingsplĂ€tzen der Hausbesitzer an der sĂŒdlichen Grenze ihres Gartens. FĂŒr die heißen Sommertage haben sie sich hier neben der Vogel-Voliere einen sonnigen Sitzplatz als kleine „Capuccino-Ecke“ im Freien eingerichtet, stilgerecht umrankt von einer ĂŒber 6m hohen Semiarundinaria fastuosa, schönen Kamelien und weiteren mediterranen KĂŒbelpflanzen. Einen noch besseren Blick ĂŒber den Hauptgarten hat man allerdings von dem ĂŒberdachten Platz einige Schritte weiter am Haus vorbei. Hier sitzen die Eheleute mit ihren GĂ€sten an kĂŒhleren oder feuchteren Sommertagen und genießen das rege Treiben am angrenzenden Ententeich oder das sich stetig wandelnde Spiel von grĂ¶ĂŸeres BildLicht und Schatten im Hauptgarten, welches ihnen die langsam im Westen versinkende Sonne bietet. Der dritte Lieblingsplatz schließlich sorgt dafĂŒr, daß man in diesem Hause auch im Winter nicht auf den Gartengenuss verzichten muss. Ein halbrunder, zweigeschossiger Wintergarten, als Arbeits- und Aufenthaltsbereich eingerichtet, holt Garten- und Naturerlebnis ins Haus. Von hier aus hat der Hausherr seine Bahama- und Mandarinenten und die kleinwĂŒchsigen ZiergĂ€nse, die den erwĂ€hnten Ententeich bevölkern, stets im Auge. Es ist schon beeindruckend, wie sich hier zwei so ungewöhnliche Hobbys unter dem gemeinsamen Oberbegriff „Exotik“ ergĂ€nzen.

 

grĂ¶ĂŸeres Bild

 

Oase der Stille

Der Hauptgarten ist von einer 2,50m hohen Mauer umgeben. UrsprĂŒnglich zum Schutz des GemĂŒsegartens vor naschenden Tieren errichtet, schĂŒtzt sie nun vor neugierigen Blicken und gibt dem Garten etwas Dornröschenverwunschenes. Gleichzeitig sorgt sie fĂŒr ein Kleinklima, das sich begĂŒnstigend auf die empfindlicheren Pflanzen auswirkt. Nicht selten konnte der Gartenbesitzer im direkten Temperaturvergleich mit seinem nur wenige Kilometer entfernt wohnenden Freund Unterschiede von 2 bis 4°C feststellen! So entsteht durch die Mauer der besondere Reiz eines Innenhofgartens, der ihn zu einer Oase der Ruhe und der Stille macht. grĂ¶ĂŸeres BildEinen kleinen GemĂŒsegarten gibt es darin zwar immer noch, doch liegt er optisch abgetrennt in der sonnendurchfluteten SĂŒdwestecke. GeprĂ€gt wird der Hauptgarten aber durch die Vielzahl seltener Pflanzen von beeindruckender GrĂ¶ĂŸe, die schön akzentuiert sind und nie den Eindruck beengender FĂŒlle vermitteln. Als kleine Auswahl möchte ich hier nur die 12m hohe Catalpa, den chinesischen Blauglocken- und den großen Walnussbaum erwĂ€hnen, dazu die 15 MagnolienraritĂ€ten und die 12 Rhododendren mit dem besonderen Star „Sinogrande“, den sich unsere Gartenfreunde von ihrer Cornwall-Reise aus Trebah-Gardens mitgebracht haben . Nicht fehlen dĂŒrfen in einem derartig geprĂ€gten Garten natĂŒrlich Trachycarpus fortunei und Musa basjoo als Exotiktupfer.

 

Und der Bambus?

NatĂŒrlich gilt bei den Gartenbeschreibungen fĂŒr meine kleine Homepage immer ein besonderer Blick dem Bambus, der Auswahl und Gestaltung und den gemachten Erfahrungen. Es fĂ€llt auf, dass sich die Gestalter dieses mediterranen Gartens mit der Anzahl der Arten und Sorten eher beschrĂ€nkt haben. Obwohl sie schon lange in der „Bambusszene“ aktiv sind, dĂŒrfte mancher blutige AnfĂ€nger mehr als die von ihnen akzentuierten 18 grĂ¶ĂŸeres BildArten und Sorten ausgepflanzt haben. „Uns kommt es mehr auf das schöne Einzelexemplar und seine gestaltende Wirkung an“, erklĂ€ren die Gartenbesitzer unisono. So liegt vielleicht gerade in der BeschrĂ€nkung, die mir als Sammler so schwer fĂ€llt, ein Grund fĂŒr den Reiz dieses Gartens. Besonders schön wirken die große Sasa palmata am Ententeich, der beeindruckende Hain von Ph. aureosulcata ‚Spectabilis‘ dahinter mit bis zu 9m hohen Halmen und der hervorstechende Ph. pubescens mit seinem grazilen Laub und z. Zt. 4m hohen Halmen – beide Exemplare zĂ€hlen zu den schönsten, die wir in Deutschland bisher gesehen haben. Auffallend auch die noch etwas kleinere Ph.nigra ‚Punctata‘ im Farbenspiel mit der direkt daneben gepflanzten ‚Spectabilis‘, die sich beide an den eingangs erwĂ€hnten Wintergarten schmiegen.

 

Garten der Diagonalen

Unsere kleine grĂ¶ĂŸeres BildGartenbesichtigung endete schließlich bei Cappucino und leckerem GebĂ€ck im Wintergarten, wohin uns die Gastgeber am Ende des Rundganges zu einem kleinen Plausch und Erfahrungsaustausch luden. Hierbei bestĂ€tigte sich unser Eindruck: als ihren besten Bambus sehen die Gartenbesitzer Ph. aureosulcata ‚Spectabilis‘ mit seiner beeindruckenden Höhe an, verschweigen aber auch  den Nachteil nicht, die SchneebruchanfĂ€lligkeit. Eindeutiger Star jedoch ist in ihren Augen Ph. pubescens, der sich von FrostschĂ€den immer wieder erholt und schon ĂŒber 7m erreicht hat – ich bin froh, davon in diesem Jahr einen Ableger erhalten zu haben.

Die Gartenbesitzer erklĂ€ren auch, warum sie den Hauptgarten als „Garten der Diagonalen“ mit je einem Sitzplatz in den Ecken angelegt haben: Es ist die Faszination von grĂ¶ĂŸeres BildLicht und Schatten, die die von Westen her in den Hauptgarten fallende Sonne immer wieder von Neuem und stets anders bewirkt, ein Genuss, der uns an diesem so verregneten Wochenende verschlossen bleiben sollte. Wenn nicht Petrus ein unerwartetes Einsehen gehabt hĂ€tte – fĂŒr wenige Augenblicke öffnete sich die Wolkenwand und ließ erahnen, welche Freude unsere Bambusfreunde von ihrem Lieblingsplatz aus beim freien Spiel von Licht und Schatten in ihrem Garten empfinden.

Beeindruckt verließen wir diesen angenehmen Ort in der uns immer wieder ĂŒberraschenden Erkenntnis, mit welcher Vielfalt und IndividualitĂ€t Bambus- und Exotikfreunde ihren Traum vom eigenen kleinen Paradies in unseren Breiten verwirklichen!