Titelbild 24022004

Bambus eingrenzen - aber wie?

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Diese Frage stellt sich den meisten Gartenfreunden, die sich fĂŒr auslĂ€uferbildenden Bambus entschieden haben und die nicht gerade Großgrundbesitzer sind.

Viele der schönsten Bambusgattungen haben die Eigenschaft, ihre unterirdischen Rhizome auf weite Wanderung zu schicken, manchmal mehr als 3m pro Jahr. Dabei kennen sie kaum Hindernisse und können an unerwĂŒnschtem Ort zu einer echten Plage werden: In Wohnungen, Kellern, Garagen, unter Terrassen usw. sind sie schon hervorgekommen.

Meist verlaufen diese Rhizome dicht unter der OberflÀche. Bei manchen Gattungen (Bashania, Pleiblastus...) können sie aber auch mehr als 1m tief wuchern und sind dann kaum noch beherrschbar.

Wie kann man nun trotzdem die Schönheit von Phyllostachys, Semiarundinaria und Co im asiatischen, mediterranen oder tropischen Garten genießen, ohne schlaflose NĂ€chte zu haben?

Der Handel bietet hierzu Spezialfolien an, deren Preis den der Bambuspflanzen meist ĂŒbersteigt. Bisher als sicher gepriesen, scheint nun vorsichtiges Umdenken angesagt: einige Mitgliedsbetriebe sprechen jetzt nur noch von  97%iger Sicherheit, andere empfehlen, die Sperre an einer Stelle offen zu lassen, um mehrmals im Jahr nachzusehen (was insbesondere die Besitzer kleiner GĂ€rten vor einige Schwierigkeiten stellen dĂŒrfte). JĂŒngste Erfahrungen (z. B. mit deutlich tiefer als 70cm gewucherten Rhizomen von Ph. aureosulcata ‚Spectabilis’ – siehe Fotos) und mögliche Regressforderungen scheinen hier zur Vorsicht zu mahnen.....

Im Folgenden stelle ich meine persönlichen Erfahrungen, auch im Vergleich mit denen anderer Bambussammler, dar und gebe einige Tipps, allerdings ohne GewÀhr.

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Die WĂŒchsigkeit der Rhizome hĂ€ngt von verschiedenen Faktoren ab. Einige sind:

  1. Art / Sorte:  Jeder leptomorphe Bambus wird zwar eine begrenzte FlĂ€che irgendwann

erobern, doch unterschiedlich schnell. Mit moderatem Ausbreitungsdrang habe ich z. B. Phyllostachys nigra ‚Punctata’,  Ph. rubromarginata und atrovarginata kennengelernt; Ph. violascens und Ph. vivax ‚Aureocaulis’ haben sich als sehr wĂŒchsig erwiesen.

  1. Bodenbeschaffenheit: Je sandiger der Boden, desto schneller die Rhizome – so ließen sich meine Beobachtungen auf eine einfache Formel bringen. Allerdings wird auch eine LehmbodenflĂ€che nach einiger Zeit gut durchwachsen sein.
  2. Wuchsrichtung: Zwar lĂ€sst sie sich (leider) nicht genau vorhersagen, doch insgesamt scheint sich der Bambus von warmen PlĂ€tzen mit attraktivem Feuchtigkeitsangebot angezogen zu fĂŒhlen. Nach meinen Erfahrungen zieht er eine halbschattige Stelle einer sonnigen erstaunlicherweise oft vor, wobei er ausdrĂŒcklich auch asphaltierte und bepflasterte PlĂ€tze nicht verschmĂ€ht – eher im Gegenteil!

I.   Methoden ohne kĂŒnstliche Eingrenzungshilfen:

Diese machen sich die Eigenschaft zunutze, dass die Rhizome, wenn sie auf keine Hindernisse stoßen, in der Regel knapp unter der OberflĂ€che verlaufen.

 

A.   Die „HĂŒgelmethode“ ( s. Abbildung; mein besonderer Dank gilt Ursel Gerstner, die alle Zeichnungen angefertigt hat )

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Um den anzulegenden Hain wird ein abgeflachter Graben gezogen, ca. 25 – 30 cm tief. Die anfallende Erde wird in der Mitte zu einem HĂŒgel aufgeworfen, ca. 20 – 30 cm. Die Rhizome des darauf wachsenden Hains werden durch den Höhenunterschied beim Verlassen des Platzes sichtbar und können entfernt werden.

Vorteil:    Kostenneutral und verhĂ€ltnismĂ€ĂŸig geringer Arbeitseinsatz in der Anlage.

Nachteil:   Mehrmalige Kontrolle (ab Juni/Juli bis Oktober) nötig und Restrisiko bleibt;

                Gestalterisch nicht ĂŒberall geeignet;

                Gefahr des Austrocknens und u. U. grĂ¶ĂŸere WinterschadensanfĂ€lligkeit.

B.   Die „Grabenmethode“ ( s. Abbildung )

 
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Um den Hain wird spatenbreit ein 30cm tiefer Graben ausgehoben, mit Laub aufgefĂŒllt und mit lockerer Gartenerde optisch drapiert. Mit einem scharfen Spaten können alle durch den Graben hindurchwachsenden Rhizome leicht abgetrennt werden.

Vorteil:    Kostenneutral und geringer Arbeitseinsatz in der Anlage.

Nachteil:  Mehrmalige Kontrolle (ab Juni/Juli bis Oktober) nötig und Restrisiko bleibt, aber 

                insgesamt nach den Erfahrungen von JĂŒrgen Schmitz gut anwendbar.

II.Methoden mit kĂŒnstlichen Eingrenzungshilfen:

 

A.     Handelsspezialfolien (HDPE 2mm,  70cm hoch):

Diese Folien werden seitens des Bambushandels und der Gartenbaubetriebe heute meist als Rhizomsperre verwandt. Sie werden ca. 65 cm in den Boden eingegraben und an der Überlappung mit nichtrostenden Spezialschienen verbunden, sodass quasi ein großer, eingegrabener, aber nach unten offener „Topf“ entsteht. 3 - 5cm sollen herausschauen, um ein „Überspringen“ der Rhizome zu verhindern.

Vorteil:   galten bisher als sicher, in jĂŒngster Zeit aber EinschrĂ€nkungen (s. o.)

               gestalterisch vielseitig und nachtrĂ€glich einbaubar.

Nachteil:   teuer, aufwĂ€ndig und schweißtreibend in der Anlage;

                 Verlegung konisch sich nach oben öffnend ist in der Kreisform kaum möglich;                                      

                  Schwachstelle scheint die Verschlussschiene zu sein.

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B.     Wellpolyester:

Dieses Material war, als ich mit Bambus vor knapp 20 Jahren anfing, das einzig als Rhizomsperre verfĂŒgbare. Eingearbeitet wird es wie oben, wobei die Verbindung durch Überlappen der Wellen ohne zusĂ€tzliche Schienen erfolgt. Das Material lĂ€sst sich etwas konisch nach oben geöffnet einbauen (besonders die oberen 20cm sollten leicht nach außen gedrĂŒckt werden), um den Rhizomdruck zu vermindern (s. Abbildungen).

      Vorteil:    Als Reste im Baumarkt sehr preiswert (bes. 150cm hoch, in der Mitte durch-

                     geschnitten), keine Schienen nötig;

                     gestalterisch vielseitig und nachtrĂ€glich einbaubar.

      Nachteil:  aufwĂ€ndig und schweißtreibend in der Anlage;

                     Soll nicht sehr sicher sein, doch hat das Material bei mir bisher 18 Jahre

                     problemlos gehalten;

                     die aus dem Boden herausragenden 2 –3cm können bei der Gartenarbeit leicht

                     zertreten werden.

C.      FörderbĂ€nder:

Über eigene Erfahrungen verfĂŒge ich nicht, doch weiß ich, dass einige Sammler sie einsetzen. Wer Beziehungen hat, kann sie meist umsonst bekommen, doch haben sie großes Gewicht und sind daher schwer verlegbar. Die Sicherheit soll recht hoch sein.

 

D.     Betonringe:

Über eigene Erfahrungen verfĂŒge ich auch hier nicht, doch sollen sie in der Regel zu klein und zu schwer verlegbar sein. Durch ihr Gewicht senken sie sich mit der Zeit ab und erlauben das Überspringen der Rhizome. Werden heute nur noch ganz selten angewandt.

 

E.      MörtelkĂŒbel:

Die 90-Liter-MörtelkĂŒbel aus dem Baumarkt werden zum Wasserabzug am Boden und im unteren Drittel der Seiten mit dem 3 mm- (Bodendecker) bis 5mm- (Phyllostachys) Bohrer perforiert. Der Topf wird mit leichtem Überstand im Boden versenkt und mit einem Anti-Zuschlemmflies von innen ausgelegt. Die Pflanze wird in dem Topf ausgepflanzt.

      Vorteil:     sehr preiswert und sicher, leicht verlegbar.

      Nachteil:   nur an geschĂŒtztem Ort einsetzbar;

                      die Pflanze muss genauer beobachtet werden als frei ausgepflanzte, da sie

                      empfindlicher auf Wasser- und DĂŒngerentzug reagiert und auch im

                      Winter anfĂ€lliger ist;

                      Alle 6- 8 Jahre muss die Pflanze geteilt, ein Teil herausgenommen und neue

                      Erde hinzufĂŒgt werden;

                      Phyllostachys erreichen in solch einem BehĂ€lter natĂŒrlich nicht die Ausmaße

                      ausgepflanzter Vergleichspflanzen.

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Wenn die Nachteile so sehr ĂŒberwiegen, ist erkennbar, dass es sich um eine Notlösung handelt fĂŒr ganz neuralgische Stellen (z. B. Terrasse), aber nach meinen Erfahrungen um eine sehr praktikable. So steht eine Ph. nigra ‚Boryana’ seit 14 Jahren erfolgreich in einem solchen BehĂ€ltnis direkt am Haus, ohne dass es Probleme gegeben hat. Vom Rhizomsperren vertreibenden Fachhandel wird diese Lösung als unmöglich kritisiert, aber fĂŒr Bodendecker und an gefĂ€hrdeten PlĂ€tzen kann ich sie durchaus empfehlen.